Kompetenzfeld 03

Produktstrukturen, Datenmodelle & Systemarchitekturen

Eine Produktlogik. Klare Sichten. Verbindliche Systemrollen.

Wir verbinden Produktlogik, Strukturen, Objekte, Regeln und Stücklisten über PLM, CPQ, ERP, Produktion und Service. So wird aus verteilten Daten eine belastbare Informationsarchitektur für Angebot, Auftrag, Ausführung und Betrieb.

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Wirkung

Konsistenz
Systemklarheit
Lifecycle-Sicherheit

Durchgängige Produktdaten – von der Definition bis zur ausgelieferten und gewarteten Instanz.

Ausgangspunkt

Durchgängigkeit entsteht nicht durch Schnittstellen allein.

Viele Programme beginnen mit Systemen, Integrationen und Migrationslisten. Die eigentliche Ursache liegt jedoch häufig davor: Produkt- und Prozesslogik sind nicht geklärt, fachlich unterschiedliche Objekte werden gleichgesetzt und Zuständigkeiten bleiben zwischen den Systemen offen.

Eine belastbare Architektur beginnt deshalb mit der Frage, welche Information für welchen Zweck entsteht, wie sie sich verändert und wer sie verantwortet. Erst daraus folgen Systemrollen und technische Übergaben.

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Objekte werden gleichgesetzt

Merkmal, Position, Ergebnis oder Stückliste werden trotz unterschiedlicher Bedeutung wie dasselbe Objekt behandelt.

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Sichten werden kopiert

Vertrieb, Entwicklung und Produktion benötigen verschiedene Sichten. Kopien schaffen nur scheinbar Durchgängigkeit.

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Systeme werden zu früh festgelegt

Funktionen werden verteilt, bevor Datenhoheit, Änderungsrecht und Übergabemechanismen entschieden sind.

Entscheidend: Nicht ein System erzeugt Durchgängigkeit. Ein gemeinsames fachliches Zielbild verbindet Produkt, Prozess, Daten, Systeme und Governance.

Gesamtmodell

Durchgängigkeit ist eine Gestaltungsaufgabe auf fünf Ebenen.

Die Ebenen bilden keine starre Projektfolge. Sie sorgen dafür, dass technische Entscheidungen aus Produkt und Prozess abgeleitet werden und Governance nicht erst am Projektende ergänzt wird. Wählen Sie in der Visualisierung ein Element, um Bedeutung, Architekturentscheidung und typische Risiken zu sehen.

Architekturprinzip · Fünf Gestaltungsebenen

1 ProduktWas soll beherrscht und wiederverwendet werden?
2 ProzessWelche Sicht wird wann und wofür benötigt?
3 DatenWelche eigenständigen Objekte und Sichten entstehen?
4 SystemeWo wird fachlich verantwortet, technisch geführt und genutzt?
5 GovernanceQuerschnitt über alle Ebenen: Was bleibt verbindlich?

Objekte & Semantik

Bevor Systeme verbunden werden, müssen die Objekte unterscheidbar sein.

Gleiche Begriffe bedeuten in Vertrieb, Entwicklung, Produktion und Service häufig nicht dasselbe. Diese Unterschiede sind keine Störung, sondern fachlich notwendig. Entscheidend sind explizite Übersetzungs- und Ableitungsregeln.

Grundsatz

Nicht jedes Objekt ist dasselbe Objekt

Die meisten Durchgängigkeitsprobleme entstehen nicht an Schnittstellen, sondern davor: Zwei fachlich verschiedene Objekte tragen denselben Namen und werden deshalb gleichgesetzt. Fünf Paare, die in nahezu jedem Projekt auftauchen.

Der gemeinsame Nenner: Jedes dieser Paare beschreibt eine Übersetzung, keine Gleichheit. Wo die Übersetzungsregel fehlt, wird sie improvisiert — in Freitextpositionen, Nebenlisten und Kopfwissen. Durchgängigkeit entsteht dort, wo diese Regeln benannt, versioniert und verantwortet sind.

Struktur- und Ableitungsarchitektur

Eine Produktlogik erzeugt mehrere berechtigte Sichten.

Vertrieb, Entwicklung, Fertigung und Service beantworten unterschiedliche Fragen. Darum gibt es keine universelle Struktur, die für jeden Zweck gleichermaßen funktioniert. Die Architektur muss festlegen, welche Sicht eigenständig ist und ob sie abgeleitet, transformiert, angereichert, parallel geführt oder eingefroren wird.

Eine Produktlogik, mehrere Sichten

Produktstrukturen bilden keine feste Reihenfolge. Aus einer gemeinsamen Produktlogik entstehen eigenständige Sichten mit unterschiedlichem Zweck. Entscheidend ist je Objekt: Was entsteht, wie wird es verbunden, wer führt es und was geschieht bei einer Änderung?

Produktlogik · Produktmodell · Merkmale · Regeln Gemeinsame Grundlage aller Sichten. Kein System, sondern die fachliche Basis.

Architekturentscheidung: Wo wird die variantenführende 150-%-Struktur geführt?

EntwicklungWie ist das Produkt technisch gelöst
VertriebWas wird verkauft und zugesagt
Produktion und LogistikWie wird beschafft, gefertigt, montiert
Quer zu allen Sichten
auf eBOM-Ebene auf mBOM-Ebene auf Auftragsebene
Nachgelagert

Die drei Sichten oben beschreiben den Produkttyp und seinen Variantenraum. Service beschreibt die ausgelieferte Instanz. Der Zugriff erfolgt nicht auf aktuelle Typdaten, sondern auf eingefrorene Stände und Referenzen.

Mechanismen der Übergabe

  • abgeleitet — entsteht regelbasiert aus einer Vorgängersicht
  • transformiert — umstrukturiert nach anderer Logik, keine Übertragung
  • angereichert — bestehende Struktur wird um eine Ebene ergänzt
  • parallel geführt — eigenständige Sicht auf dieselbe Produktlogik
  • angelegt — neues Stammobjekt nach bewusst gewählter Strategie
  • eingefroren — Stand wird instanzbezogen festgeschrieben
Architekturentscheidung: Die variantenführende 150-%-Struktur kann als eBOM-Sicht, als mBOM-Sicht oder in gekoppelten Modellen geführt werden. Und die Überführung von eBOM zu mBOM ist eine fachliche Transformation – keine einfache Datenübertragung.

Systemrollen & Datenhoheit

Systemrollen folgen den fachlichen Objekten.

Nicht die maximale Funktionsbreite eines Werkzeugs entscheidet, sondern die klare Arbeitsteilung. Jedes relevante Objekt braucht einen führenden Ort, ein benanntes Änderungsrecht und einen definierten Mechanismus für die Nutzung in anderen Systemen.

Fachliche Rolle

Definiert Bedeutung, Verantwortung und Entscheidungsrecht – unabhängig vom eingesetzten System.

PLM & Autorensysteme

Führen Produktdefinition, CAD/eBOM, technische Stände, Freigaben und Engineering-Änderungen.

CPQ · CRM/PIM ergänzend

Nutzen die Vertriebssicht für Bedarf, Konfiguration, Preis, Angebot und Kundenkommunikation.

ERP · MES ergänzend

Führen Material, Auftrag, mBOM/BOP, Werkssichten, Disposition und ausführungsnahe Daten.

Service- & Asset-Systeme

Dokumentieren installierte Basis, as-built/as-maintained, Feldereignisse, Ersatzteile und Retrofit.

01 EntstehungWo wird das Objekt erzeugt?
02 VerantwortungWer ist fachlicher Eigentümer?
03 FührungWo werden Version und Gültigkeit geführt?
04 ÜbergabeReferenz, Kopie, Ableitung oder Transformation?
05 ÄnderungWas geschieht mit abhängigen Objekten?

Lifecycle & Governance

Durchgängigkeit muss über Änderungen und Produktgenerationen tragen.

Ein Datenmodell ist erst belastbar, wenn ein früheres Angebot, ein ausgelieferter Stand und eine spätere Änderung reproduzierbar bleiben. Version, Gültigkeit, Effectivity und Freigabe gehören deshalb zur Architektur – ebenso wie das bewusste Management von Abhängigkeiten.

Version & Wirksamkeit

Produkt-, Regel-, Struktur- und Dokumentstände müssen zeitlich, nach Werk und nach Produktgeneration zusammenpassen.

Änderung & Nachweis

Auswirkungen werden kontrolliert, Freigaben getestet und as-built/as-maintained bleiben gegen ihren damaligen Stand nachvollziehbar.

Lock-in bewusst beherrschen

Modell-, Methoden-, Hersteller- und Betriebsabhängigkeiten werden sichtbar gemacht – einschließlich realistischer Export- und Exit-Pfade.

Realitätscheck & Pilot

Die Architektur muss in Auftrag, Produktion und Service funktionieren.

Boxen und Pfeile reichen nicht. Wir prüfen das Zielmodell an einer realen Produktfamilie und an konkreten Grenzfällen – mit echten Merkmalen, Regeln, Strukturen, Stücklisten, Dokumenten und Änderungsständen.

Wertschöpfung und Logistik prüfen

  • mBOM, BOP, Werkssichten und Beschaffungslogik
  • Materialstammstrategie: konfigurierbar, vorgepflegt oder automatisiert angelegt
  • 100-%-Auflösung und auftragsspezifische Ergänzungen
  • as-built, Service, Ersatzteil und Retrofit

Mit realen Fällen pilotieren

  • eine repräsentative Produktfamilie statt eines idealisierten Demos
  • 10 bis 20 bewusst gewählte Standard- und Grenzfälle
  • CTO+, ETO und begrenzte Konstruktion in der Auflösung
  • Design Automation dort, wo Berechnung oder Dokumenterzeugung tatsächlich trägt
Das Pilotkriterium: Das Modell muss nicht nur einen gültigen Auftrag erzeugen, sondern auch Änderung, Fertigung, Auslieferung und spätere Servicefragen beherrschen.

Vorgehen & Ergebnisse

Vom verteilten Datenbestand zum geprüften Zielmodell.

Wir reduzieren die Komplexität schrittweise, ohne die fachliche Realität zu vereinfachen. Das Ergebnis ist kein abstraktes Architekturpapier, sondern ein entscheidungsfähiges Modell mit belastbarer Pilotierung und Umsetzungslogik.

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Istbild & Architekturentscheidungen

Produktfamilien, Prozesse, Objekte, Systeme, Brüche und offene Entscheidungen transparent machen.

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Zielmodell & Pilot

Sichten, Objektverträge, Ableitungslogik und Systemrollen modellieren und an realen Fällen testen.

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Roadmap & Governance

Migrationspfade, Releases, Verantwortungen, Tests und die schrittweise Umsetzung festlegen.

Fachliche Ergebnisse

  • abgestimmte Produkt-, Struktur- und Objektlogik
  • definierte Sichten und Übergabemechanismen
  • reproduzierbare Konfigurations- und Stücklistenergebnisse

Umsetzungsfähige Ergebnisse

  • klare Systemrollen und Datenhoheiten
  • validierter Pilot und priorisierte Roadmap
  • Governance für Version, Änderung, Test und Release

FAQ

Häufige Fragen zu Produkt- und Systemarchitekturen.

Brauchen wir nicht eine einzige „Source of Truth“?

Für jedes fachliche Objekt braucht es eine eindeutige Führung. Das bedeutet aber nicht, dass eine einzige Struktur alle Zwecke erfüllen muss. Entwicklung, Vertrieb, Produktion und Service benötigen eigenständige Sichten, die über klare Identitäten, Regeln und Verantwortungen verbunden sind.

Wo sollten eBOM und mBOM geführt werden?

Das hängt von Produkt-, Industrialisierungs- und Änderungsmuster ab. PLM, ERP oder ein gekoppeltes Modell können sinnvoll sein. Entscheidend sind Transformation, Werkssicht, Änderungsprozess, Effectivity und die fachliche Verantwortung – nicht ein pauschaler Systemgrundsatz.

Warum gibt es so viele PLM–ERP-Szenarien?

Weil Produkte und Wertschöpfung unterschiedlich organisiert sind. Eine frühe Industrialisierung im Baukasten benötigt andere Systemrollen als eine späte auftragsspezifische Ausarbeitung. Architektur folgt dem Produkt- und Prozessmuster.

Wie vermeiden wir einen Lock-in?

Abhängigkeiten lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber bewusst gestalten. Fachliches Modell, proprietäre Regeln, Datenformate, Integrationen und Betrieb werden getrennt bewertet. Dazu gehören exportierbare Kernobjekte, dokumentierte Semantik und ein realistischer Exit-Pfad.

Wie lässt sich ein Zielbild belastbar validieren?

Mit realen Produktfamilien, echten Objekten und ausgewählten Grenzfällen. Der Pilot muss nicht nur den Happy Path, sondern auch Änderungen, Gültigkeiten, 100-%-Auflösung, Fertigung und spätere Servicefragen nachweisen.

Produktstruktur-, Stücklisten- oder Systemdurchgängigkeitsthema fundiert einordnen.

Wir klären gemeinsam, wo die fachliche Bruchstelle liegt, welche Architekturentscheidungen anstehen und wie ein sinnvoller Pilot aussehen kann.